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Infoservice Nr. 10

Datum: 02.10.2018

Wintergetreide:

In vielen Regionen läuft jetzt die Herbstbestellung des Getreides oder ist bereits abgeschlossen. Um die Ungräser und Unkräuter sicher in Schach zu halten, empfiehlt sich bei Aussaatterminen bis Ende Oktober immer eine Herbstbehandlung mit einem Flufenecathaltigen (Malibu, Herold, Bacara Forte, Cadou) Vorauflaufherbizid. Bei der Planung der Unkrautbekämpfungsmaßnahmen in Wintergetreide müssen die vorgeschriebenen Anwendunsbestimmungen mit einkalkuliert werden. Der Anwender sollte sich daher rechtzeitig damit vertraut machen. Inbesondere die Auflagen zum Gewässerschutz, wie unbehandelte, begrünte Randstreifen bei Hangneigung über 2% und Gewässerabstände können den Einsatz einiger Mittel stark einschränken. Eine umfangreichere Herbizidliste enthält der Ratgeber Pflanzenbau und Pflanzenschutz, vollständige Hinweise zu den einzelnen Mitteln stehen in der Gebrauchsanleitung.

Ein Herbizideinsatz im Getreide im Herbst ist einer Frühjahrsbehandlung vorzuziehen, weil nach dem Winter die Unkräuter und Ungräser zu weit entwickelt sein könnten, die Böden nicht immer rechtzeitig befahrbar sind und ungünstige Witterung (z. B. Nachtfrost) eine zeitgerechte Maßnahme verhindern können. Schäden an den Kulturen sind zudem häufiger ertragswirksam und die Auswahlmöglichkeiten bei den Herbiziden deutlich begrenzt sind.

Insbesondere bei den früh gesäten Getreidearten Wintergerste, Roggen und Triticale muss der Herbizideinsatz im Herbst eingeplant werden. Bei absoluten Spätsaaten (Weizen) ist der Unkrautdruck im Herbst in der Regel gering, sodass Frühjahrsbehandlungen eventuell sinnvoller sind. Auch bei sehr grobscholligem Saatbett und gleichzeitig späteren Saatzeitpunkten, bei dem nach dem Zerfallen der Kluten erneut Ungräser und Unkräuter auflaufen können, hat die Frühjahrsbehandlung insbesondere bei Weizen Vorrang.

 Bei der Ungras/-kraut muss beachtet werden, dass bei Trockenheit oder sehr klutigen Böden und gleichzeitig starkem Ackerfuchsschwanzdruck reine Bodenherbizide überfordert sind. Standorte mit Ackerfuchsschwanz und Unkräutern sollten dann mit Kombinationen aus blatt und bodenaktiven Mitteln behandelt werden, um den Neuauflauf von Unkräutern sowie die Resistenzgefahr blattaktiver Herbizide zu minimieren. Stimmt allerdings Bodenfeuchtigkeit und Bodenstruktur kann bei schwachem bis mittleren Afu-Besatz oder auf reinen Windhalmstandorten mit vorwiegend bodenwirksamen Mitteln gearbeitet werden.

 Aufgrund zunehmender Resistenzen gegen Ackerfuchsschwanz und auch Windhalm bei Wirkstoffen der HRAC Gruppen A und B (betrifft alle blattaktiven Gräsermittel) sollten Herbstbehandlungen als Resistenzbrecher einen zentrale Rolle in der Herbizidstrategie spielen. Nur im Herbst können die HRAC Wirkstoffgruppen eingesetzt werden, die von Resistenzen noch kaum betroffen sind. Der zentrale Baustein ist der Wirkstoff Flufenacet, der kombiniert mit anderen Wirkstoffen adäquate Lösungen bei unterschiedlichen Verunkrautungen und Gräserdruck bietet.

 Beim Einsatz von Bodenherbiziden, die auf dem Wirkstoff Flufenacet aufgebaut sind – also (z.B. Herold, Malibu, Bacara Forte und Cadou) – ist der frühe Nachauflauf der beste Zeitpunkt um Gräser effektiv zu bekämpfen. Die Bedingungen für die Wirksamkeit der Präparate sind durch die angesagten Schauer bzw. vorhandenen Bodenfeuchtigkeit optimal. Auf FuchsschwanzStandorten empfiehlt sich eine Behandlung direkt nach der Aussaat bis spätestens dem Spitzen des Getreides. Um Spritzschatten und Herbizidschäden zu vermeiden, sollten die Flächen nach der Saat angeringelt werden. Geht es lediglich um die Bekämpfung von Windhalm, kann bis zum sichtbar werden der Fahrgassen (Windhalm max. 2 Blätter) abgewartet werden.

Der Wirkstoff Flufenacet erfährt eine Unterstützung durch die Wirkstoffe Pendimethalin (z.B. Stomp Aqua, Activus), Chortoluron (z. B. Lentipur, Toluron 700 C) oder vor allem durch Boxer. Auf Standorten mit ausgeprägten Ackerfuchsschwanzresistenzen zeigt der Boxer / Cadou Pack gute Wirkungsgrade.

 Wenn nur Windhalm vorhanden ist, können zu den vorhergenannten auch Produkte wie Carmina oder Trinity eingesetzt werden. Ein anderer Wirkstoff ist in dem Produkt Sumimax enthalten. Dieses Mittel ist ausreichend gegen Windhalm und die übliche zweikeimblättrige Verunkrautung wirksam, allerdings nicht gegen Ackerfuchsschwanz und ist nur in WW zugelassen. Wenn allerdings der frühe Zeitpunkt für Bodenherbizide versäumt wurde, kann in der Wintergerste nur noch mit einem reinen Blattherbizid wie Axial gegen Ackerfuchsschwanz behandelt werden. Axial hat die beste Wirkung zum Ende der Vegetation (Nikolausspritzung).Dieses Mittel muss mit einem Partner gegen zweikeimblättrige Unkräuter kombiniert werden. Stomp Aqua, Bacara Forte, Malibu oder Trinity können hier zum Einsatz kommen. Noch besser ist die Ausbringung im Splittingverfahren. Um Resistenzen vorzubeugen sollte allerdings auf gar keinen Fall zweimal im Jahr Axial angewendet werden.

Bei Weizen besteht als Notmaßnahme bei unzureichenden Wirkungsgraden die Möglichkeit der Nachbehandlung mit Atlantis WG oder Traxos:

 Der Einsatz von Atlantis WG im Herbst wird nicht empfohlen, da aus Resistenzmanagementgründen dieses noch sehr gut wirksame Mittel auf Frühjahrsanwendungen in Weizen beschränkt werden sollte. Atlantis hat im Herbst nur dann seine Berechtigung, wenn massive Trespenprobleme vorhanden sind, kann dann aber nur in Weizen eingesetzt werden.

Die Wirkung der beschriebenen Mittel kann gegen Ausfallraps durch eine Teilmenge von 10 g Pointer SX verbessert werden.

Bei vorhandenem Läusebefall sollte den Mischungen insbesondere bei Wintergerste ein Insektizid beigemischt werden, um die Gefahr von Virosen zu vermeiden. Auf Problemstandorten, also sehr humosen Verhältnisse, Böden mit hohen ph-Werten und sehr trockenen warmen Verhältnissen kann Manganmangel auftreten und ertragsmindernd wirken. Dies gilt hauptsächlich bei Wintergerste. Um einer gute Winterfestigkeit zu erreichen ist der Zusatz eines Blattdüngers von Vorteil.

 

Es wird darauf hingewiesen, dass landesweit Kontrollen bezüglich Gewässerabstandsauflagen und CTU – Anwendungsbestimmungen durchgeführt werden.

Zuwiderhandlungen sind Bußgeld pflichtig und es werden nach Cross-Compliance Abzüge bei den Prämienzahlungen vorgenommen. Informieren Sie sich deshalb rechtzeitig.

Bitte beachten:

 CTU darf nicht eingesetzt werden auf drainierten Flächen, leichten Böden (NG 414: Sand bis schwach schluffiger toniger Sand mit Corg <1,5%). Außerdem gilt die Hangneigungsauflage NG 404:bei einer Hangneigung>2% zwischen behandelter Fläche und Oberflächengewässer muss eine mindestens 20m breite geschlossene Pflanzendecke vorhanden sein oder die Saat im Direktsaat, bzw. Mulchsaatverfahren erfolgt).

 Es gelten neue Anwendungsbestimmungen für Pendimethalin- und Prosulfocarb haltige Mittel (z.B.: Stomp, Picona , Activus, Boxer etc.) die die Verflüchtigung und Abdrift herabsetzen sollen.

Die Anwendungsbestimmungen haben folgenden Wortlaut:

  • (NT145) "Das      Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen.      Die Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das      Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" vom 14. Oktober 1993      (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der jeweils geltenden Fassung,      mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist. Abweichend      von den Vorgaben im Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" sind      die Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche      einzuhalten."
  • (NT146) "Die      Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht      überschreiten."
  • (NT170) "Die      Windgeschwindigkeit darf bei der Ausbringung des Mittels 3 m/s nicht      überschreiten."

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